Ausbildung mit Köpfchen

Ruhiges, konzentriertes und sicheres Suchen in Verbindung mit dem deutlich sichtbaren Finderwillen eines Hundes – das ist das Ziel der Fährtenhundausbildung im Gebrauchshundesport. Hinzu kommt, dass der Fokus im Hundesport immer mehr auf die Harmonie zwischen Mensch und Hund gelegt wird.
Meideverhalten will keiner mehr sehen! Was auch gut so ist!

Bei der Fährtenausbildung lege ich unheimlich viel Wert auf die Selbstständigkeit und den Finderwillen meiner Hunde, was ich ich beides von Anfang an fördere. Es gibt für mich im Training nichts schöneres als zu sehen, wie stolz meine felligen Teampartner sind, wenn sie eine Schwierigkeit selbstständig gemeistert haben und von mir entsprechend gelobt werden! Sie strahlen genauso, wenn sie ihren heißgeliebten Ball endlich bekommen oder ihren Futternapf genüsslich geleert haben.

Ich setze im Training auf den Shaping-Grundsatz, der vielleicht vom freien Formen aus dem Clicker-Bereich her bekannt ist: Der Hund erarbeitet sich selbstständig, was ich von ihm will. Im Bereich der Fährte heißt das, dass der Hund selbstständig und ohne großartige Hilfe lernt, dass er über das Folgen des Fährtengeruchs zum Ziel kommt.
Der Vorteil darin besteht, dass er von Anfang mit Problemen konfrontriert wird und diese selbst zu lösen lernt. Dadurch vermeide ich, dass meine Hunde unselbstständig werden und z.B. bei Spurverlust sofort Hilfe von mir erwarten. Oder gar in Panik verfallen und vor lauter Hektik die Spur regelrecht zertrampeln und sich somit jede Chance auf das selbstständige Fortsetzen der Sucharbeit nehmen.
Das hilft besonders in späteren Prüfungssituationen, wenn der Hund 10 Meter vor mir sucht und ich ihm nicht wirklich helfen kann. Anstatt, dass er zu mir zurückkommt und schlimmstenfall meine Prüfung vom Richter vorzeitig beendet wird, löst er das Problem alleine und wir kommen bis zum Ende durch.

Klar ist auch bei diesem Weg nicht alles rosig und es gibt einen deutlichen Nachteil, den ich nicht verberge: Er liegt in der großen Menge Geduld und Gehirnschmalz, die man als Hundeführer mitbringen muss.
Und man muss auch bereit dazu sein, sich selbst zu ändern und an das Lernverhalten seines Hundes anzupassen.
Man muss ruhig bleiben, egal, was der Hund vorne an der Leine gerade verzapft.
Man muss ihm zutrauen, dass er die Schwierigkeit meistern kann, ohne dass man ihm z.B. mit der Hand zeigt, wo es weiter geht.
Man muss sich bewusst machen, welchen Ausbildungsstand der Hund hat und das Training entsprechend anpassen. Dazu gehört auch, dass man die Schwierigkeiten in einem dem Hund angepassten Tempo steigert – oder auch mal zurück geht, wenn es notwendig ist.

Zwang in Form von Schmerzreizen gibt es bei mir nicht. Stattdessen „zwinge“ ich ihn, seine grauen Zellen einzusetzen – sofern man bei meinem Weg partout von Zwang reden will.
Ich setze im Training auf Erfolg (z.B. das auf der Fährte gefundene Futter) und Misserfolg (z.B. wenn ich er an einem falsch verwiesenen Gegenstand keine Belohnung bekommt), denn meine Erfahrung zeigt mir, dass so mancher Misserfolg wirksamer sein kann als ein gezielt eingesetzter Schmerzreiz. Auch können die Hunde so ihr Erlerntes deutlich besser verinnerlichen und auch später immer wieder problemlos abrufen.
Gerade auf der Fährte, wo wir mit ruhiger, freudiger Konzentration arbeiten wollen und auf eine bestimmte Erwartungshaltung des Hundes setzen, kann man mit Zwang schnell alles wieder kaputt machen! Und darauf verzichte ich gerne!